Seite wählen

Es ist nie schön ein schreiendes Baby zu hören, selbst wenn es nicht das eigene Kind ist. Instinktiv möchte man als Erwachsener das Baby trösten. Das geht aber auch Kindern so, wenn sie ein schreiendes Baby hören.

Dazu ist es erstmal wichtig zu wissen, dass ein schreiendes Baby etwas ganz Normales ist. Babys können sich zunächst nur mit Schreien auf sich und ihre Bedürfnisse aufmerksam machen und das ist von der Natur auch so gewollt und von großem Nutzen.

Die Schreiperiode

In jahrzenterlangen Forschungen fand man heraus, dass alle Babys, egal aus welcher Kultur, nach einem bestimmten Muster vermehrt schreien. Diese Schreiperiode beginnt bei allen Neugeborenen, mit diesem typischen Muster:

  • Beginnend im Alter von 2 Wochen
  • Im Alter von 6 Wochen hat sie ihren Höhepunkt
  • Im Alter von 3-4 Monaten nimmt sie deutlich ab

Bei Frühgeborenen ist immer das angepasste Alter gemeint. Also nicht ab dem tatsächlichen, sondern ab dem errechneten Geburtstermin.

Das zeigt, dass das vermehrte Schreien selten eine medizinische Ursache ist. Daher ist es eigentlich auch nicht mehr richtig, in der heutigen Zeit, von einer 3-Monats-Kolik zu sprechen. Denn auch Babys die eher als Anfänger-Babys gelten und wenig schreien, zeigen dieses Muster, aber eben nicht so stark, intensiv und so lange am Stück wie z.B. bei Schreibabys oder High Need Babys / temperamentvolle Babys.

Was ist der Grund für die Schreiperiode?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass es ein Entwicklungsstadium ist, den alle Babys durchgehen. Der Forscher und Kinderarzt Dr. Ronald G. Barr nennt deshalb diese Schreiperiode als „Period of Purple Crying“. Man vermutet, dass die Schreiperiode mit der Entwicklung des Schlaf-Wach-Rhythmus zusammenhängt. Das Gehirn der Babys entwickelt sich in den ersten 3 Monaten sehr schnell und zeigt sich auch im Verhalten der Babys. Daher merkte man bei Forschungen, dass wenn ein Baby einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus hat, es weniger geschrien hat. Babys die auch noch nach dem 3. Monat keinen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus hatten, schrien vermehrt und länger. Diese Forschungen zeigten damit auch, dass das viele Schreien und auch das exzessive Schreien (untröstliches Schreien) zur normalen Entwicklung der Babys dazugehört. Sie tritt nur von Baby zu Baby unterschiedlich auf.

Der Kinderarzt Dr. Harvey Karp ist der Meinung, dass den Babys ein viertes Trimester fehlt. Durch die Evolution hat sich der Körper der Frau verändert und müsse nun Babys drei Monate früher auf die Welt bringen, damit Frauen gefahrlos gebären können. Nun kommt aber nicht jedes Baby damit zurecht schon so früh auf die Welt zu kommen und einige Babys benötigen deshalb noch ca. drei Monate lang, die Nachahmung des Mutterleibs.

Wie kann man das Schreien verringern?

Es ist ganz klar sehr frustrierend, wenn man sein Baby nicht oder kaum beruhigen kann und wenn es täglich über mehrere Stunden der Fall ist. Dieses untröstliche Schreien über eine längere Zeit nennt man exzessives Schreien. Dieses Schreien kommt vor allem in den späten Nachmittags-und Abendstunden vor.

Daher ist es laut Dr. Harvey Karp wichtig in den ersten 3 Monaten den Mutterleib nachzuahmen. Er nennt es die Kuscheltherapie mit den 5 S. Wie das geht, zeige ich dir an folgenden Punkten:

1.Strammes Pucken:

In deinem Bauch war dein Baby den ganzen Tag eng umschlungen und hat sich damit geborgen gefühlt. Durch das Pucken in einen Pucksack oder in eine Decke, gibst du deinem Baby dieses Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit zurück. Außerdem kann es nicht mehr mit den Armen und Beinen herumfuchteln, was einige Babys noch unruhiger macht.

2.Seiten- oder Bauchlage:

Da dein Baby im Mutterleib nicht flach auf dem Rücken lag, finden das viele Babys am Anfang beängstigend. So dass sie das Gefühl haben zu fallen und finden dadurch nicht zur Ruhe. Deshalb halte dein Baby in Seiten-oder Bauchlage. Schau darauf, was dein Baby lieber mag.

3.Schhhh-Laute:

Es war nie ruhig und still in deinem Bauch. Dein Baby war umgeben von konstanten Geräuschen. Das nennt man weißes Rauschen. Daher ist es für viele Babys auch so beruhigend, wenn sie mit einem Schhhh-Laut beruhigt werden. Bedenke dabei, dass die Geräusche im Bauch so laut waren wie ein Staubsauger. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass manche Babys erst dann zur Ruhe kommen, wenn sie den Staubsauger oder den Fön hören.

4.Schaukeln:

Kannst du dich noch daran erinnern, als du schwanger warst und sobald du dich hingelegt hast, wurde dein Baby aktiv? Nun das mag daran liegen, dass dein Baby die ständigen Bewegungen geliebt hat und sobald keine Bewegung mehr war, wollte es sie vermutlich wiederhaben. Durch das Schaukeln ahmst du die Bewegung im Mutterleib nach, was dein Baby zur Ruhe bringt. Das Schaukeln kannst du z.B. auf einem Gymnastikball, in einem Schaukelstuhl, in einer elektrischen Schaukel oder im Tragetuch/Babytrage.

5.Saugen:

Babys kommen mit vielen Reflexen zur Welt. Eines davon ist der Saugreflex. Dieser ist vor allem dafür da, um Nahrung aufzunehmen, aber auch um sich zu beruhigen. Beruhige es deshalb mit deinem Finger oder einem Schnuller. Falls es beides nicht annimmt, kann dein Baby vielleicht doch Hunger haben (das sollte aber schon am besten vor dem Beruhigungsversuch kontrolliert werden). Aber vielleicht bevorzugt dein Baby auch nur von der Brust beruhigt zu werden.

 

Babys die nicht so viel weinen, beruhigen sich schon oft mit nur einer oder zwei dieser Techniken. Aber ein Baby das empfindlicher oder intensiver ist, benötigt wahrscheinlich alle dieser Beruhigungstechniken.

 

Mein Schlusswort

Wenn ein Baby viel schreit, wird leider noch häufig im Umfeld und auch bei manchen Kinderärzten von einer 3-Monats-Kolik oder von einer Kolik gesprochen. Eltern, die ein Baby haben das immer wieder untröstlich schreit, gibt ihnen das Gefühl, das Kind sei krank und müsste behandelt werden. Oder die Mutter müsse ihre Ernährung oder die Flaschennahrung umstellen oder dies oder das. So werden Eltern ständig verrückt gemacht etwas zu machen, um das Baby zu beruhigen, statt die Lage so zu akzeptieren wie sie ist. Natürlich kann auch eine medizinische Ursache dahinterstecken, aber das ist selten der Fall.

Ich finde es deshalb sehr wichtig zu wissen, dass jedes Baby diese Schreiperiode durchmacht. Allerdings ist sie nicht bei jedem Baby so stark ausgeprägt. Aber wenn man das erstmal weiß, fühlt man sich als Eltern auch nicht mehr schuldig, etwas falsch zu machen.

Umso wichtiger ist es, betroffenen Eltern in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen und diese Schreiperiode gemeinsam mit dem Baby, so gut wie möglich durchzustehen. Manche Beruhigungstaktiken werden bei einem Baby gut funktionieren, bei einem anderen müssen sie vielleicht etwas angepasst oder intensiviert werden. Das liegt daran, dass jedes Baby unterschiedlich ist, demnach ist auch der Umgang und die Beruhigungsstrategie mit jedem Baby unterschiedlich.

Wenn du mehr Informationen über 3-Monats-Koliken, Regulationsstörungen, Schreibabys oder High Need Babys lesen möchtest, dann sieh dir den Artikel Baby schreit den ganzen Tag: Hat es Koliken oder ist es ein Schreibaby?

 

Hast du ein Baby, dass viel schreit? Kommt dir dabei der Wunsch, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen? Dann komm doch in meine private Facebook-Unterstützungsgruppe.

Denkst du das dein Baby viel schreit, weil es vielleicht ein High Need Baby / temperamentvolles Baby ist. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, dann mach doch bei meinem Quiz mit. Dort erfährst du einiges über die verschiedenen Baby-Temperamente. Klicke dafür auf diesen Link.

Benötigst du sofortige Antworten und Strategien für dein herausforderndes Baby? Dann könnte dich mein E-Book "Der Überlebens-Ratgeber für temperamentvolle Babys" interessieren. Es ist vollgepackt mit praktischen Lösungen, Ursachenfindung und Temperamentsforschung. Auch geeignet für Eltern von Schreibabys, Kolik-Babys und Babys mit Regulationsstörungen.

Für mehr Informationen, klicke jetzt auf das Buch!

Fühl dich umarmt

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Copy Protected by Tech Tips's CopyProtect Wordpress Blogs.