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In meinem vorherigen Artikel “Ist mein Baby High Need?”, habe ich erwähnt, dass manche Menschen den Begriff “High Need Baby” mit einer medizinischen Ursache in Verbindung bringen. Sie sind der Meinung, dass die aussergewöhnlichen Verhaltensweisen durch eine medizinische Ursache oder durch eine Krankheit hervorgerufen werden.

Die Verhaltensweisen eines High Need Babys lassen ihre Eltern oft verzweifeln, vor allem wenn sie viel und/oder untröstlich schreien. Das stellt die Eltern vor diese Fragen:

High Need Baby-Verhalten: Welche Ursachen können dahintersteckenIst es wirklich das Temperament oder ist es doch etwas Anderes?

Bei manchen Babys zeigt sich das Temperament sofort, aber bei Einigen, zeigt sich das leider erst im Laufe der Zeit. Und bis dahin suchen betroffene Eltern verzweifelt nach Antworten.

Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt, obwohl mir die Kinderärztin versicherte, dass er gesund sei und er einfach nur die Dreimonatskoliken habe. Eine andere Ursache für das viele Schreien, gab es für die Kinderärztin nicht. Natürlich hatte sie ihn auch körperlich untersucht, aber das es vielleicht an seinem Temperament liegen könnte, kam zu diesem Zeitpunkt leider nie zur Debatte. Dennoch merkte ich, dass es nicht nur die Dreimonatskolik sein konnte und blieb bei meinem unguten Gefühl bis ich nach einigen durchgemachten Krankheitsphasen und verschiedenen medizinischen Ursachen merkte, dass sein Verhalten nicht dadurch, sondern durch sein Temperament ausgelöst wurde. 

Stellst du dir auch immer die Frage, ob nun eine Dreimomantskolik, eine Krankheit oder das Temperament deines Kindes hinter seinem Schreiverhalten steckt? 

Woran erkennt man, dass es das Temperament ist?

Wie du erkennen kannst, ob das Schreiverhalten deines Kindes durch sein Temperament ausgelöst wird, kann ich dir mit einem Tipp sagen:

Beobachte dein Kind in jeglicher Situation und du wirst früher oder später spüren, ob es sich um sein Temperament handelt oder nicht!

Ausserdem kann ich dir noch sagen, anhand welcher Situationen ich gemerkt habe, dass es das Temperament meines Sohnes war:

  •  Sein Verhalten änderte sich kaum nach den lang ersehnten drei Monaten (Dreimonatskolik), nach durchgemachten Krankheiten oder medizinischen Ursachen, wie z.B. nach einer Erkältung, nach lösen der Blockaden / Verspannungen, nach einem operierten Leistenbruch.
  • Sein untröstliches Schreien endete mit ca. 6 Monaten. Klar kam das noch ab und zu vor, aber es wurde immer weniger.
  • Zu dieser Zeit liess er sich endlich sofort von mir beruhigen, wenn ich ihn einfach nur im Arm hielt.
  • Ab dann reagierte er auch sofort darauf, wenn man ihn mit seinem Namen ansprach oder mit ihm spielte.
  • Sobald er dann sitzen konnte, spielte er mit seinem grossen Bruder. Dabei deutete nichts auf ein ungewöhnliches Spielverhalten. 
  • Er konnte sich in Spielsituationen gut darauf konzentrieren, obwohl er anfangs hyperaktiv wirkte. 
  • Ab einem bestimmten Zeitpunkt, freute er sich sehr darüber, wenn viele Menschen bei ihm waren. Er genoss es förmlich, wenn laute Musik lief oder wenn getanzt wurde. Vorher reagierte er immer extrem gereizt auf Geräusche.
  • Irgendwann waren seine starken Emotionen deutlich zu erkennen. Sie wurden deutlich durch Frustration, aber auch durch grosse Freude ausgelöst. Vorher schien er die meiste Zeit nur unzufrieden zu sein und weinte fast nur.
  • Er fing an uns zu umarmen, zu kuscheln und zu küssen, obwohl er anfangs jegliche Berührung unangenehm empfand, durch seine hohe Sensibilität.
  • Seine Entwicklung verlief bisher im „normalen“ Rahmen. In machen Dingen entwickelt er sich schnell und in manchen Dingen etwas entspannter. Aber es gab bisher keine Anzeichen für eine ungewöhnliche Entwicklung.
  • Auch sein Schlafverhalten wurde zwar sehr langsam, aber von Zeit zu Zeit deutlich besser.

Im Laufe der Zeit hatte ich immer mehr Anhaltspunkte, warum sein Verhalten nicht durch eine Krankheit oder eine medizinische Ursache ausgelöst sein konnte. Wie ich ja schon im ersten Punkt erwähnt habe, mussten bei meinem Sohn einige Blockaden und Verspannungen durch eine Osteopathin gelöst werden. Ausserdem musste er leider auch schon mit 5 Wochen operiert werden, da er einen Leistenbruch hatte, der sich immer wieder eingeklemmt hatte.

Zu diesen Zeitpunkten wurde sein Verhalten definitiv intensiver und verringerte sich glücklicherweise nach den Behandlungen. Aber seine allgemeine Unruhe und sein Drang viel schreien zu müssen, war einfach immer da. Durch meine ständige Beobachtung meines Sohnes, erkannte ich einfach anhand vieler kleiner und großer Situationen, dass es sich um sein aufbrausendes Temperament handelt!

Ob nun aber dein Baby vielleicht die Dreimonatskoliken durchmacht oder ob es vielleicht medizinisch behandelt werden muss, kann dir natürlich nur dein Kinderarzt sagen. Aber anhand meiner beobachteten Situationen, kann ich dir vielleicht schon mal kleine Anhaltspunkte für das Temperament geben! 

Welche medizinischen Ursachen können dahinterstecken?

Nun was das Temperament angeht, haben wir ja gerade besprochen. Nun geht es um die medizinischen Ursachen, die ebenfalls zu einem intensiven Schreiverhalten deines Babys führen können.

In diesem Fall, möchte ich eine Liste von dem Kinderarzt Dr. Harvey Karp aufzeigen. Dabei hat er die möglichen Ursachen, die ein Baby unruhig und untröstlich Schreien lassen können, aufgezählt. Diese Liste soll dir schon mal einen kleinen Überblick darüber geben, welche gesundheitliche Störung dein Kinderarzt in Betracht ziehen sollte:

1. Infektionen wie:

  • Ohrinfektion
  • Harnwegsinfektion
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Blinddarmentzündung
  • Darminfektion

2. Bauchschmerzen durch:

  • Darmverschluss
  • Magensaftrückfluss – führt zu Sodbrennen (auch GERD oder Reflux genannt)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit

3. Atembeschwerden durch:

  • Verstopfte Nasenlöcher (zu eng, Allergie oder Erkältung)
  • Zunge zu groß für den Mund

4. Erhöhter Hirndruck (fällt durch folgende Merkmale auf):

  • Untröstliches Schreien, wegen der Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Ungewöhnlich schrilles Schreien
  • Vorgewölbte Fontanelle • Geschwollene Venen auf der Stirn
  • Zu schnell wachsender Kopf
  • Starre Augen und weit geöffnet, Iris hat einen halbmondförmigen weißen Anteil im Auge 

5. Schmerzen an der Haut durch:

  • Einen Faden oder Haar, der eng um einen Finger, Zeh oder Penis gewickelt ist

 6. Schmerzen im Mund durch:

  • Soor
  • Zahnen

7. Nierenschmerzen durch:

  • Blockierung der Harnorgane

8. Augenschmerzen durch:

  • Glaukom (hoher Augeninnendruck)
  • Verletzung der Hornhaut
  • Partikel sitzt im Auge fest

9. Überdosierung durch:

  • Überschüssiges Natrium (Salz)
  • Überschüssiges Vitamin A

10.Sonstige Ursachen:

  • Knochenfrakturen 
  • Zuckerunverträglichkeit 
  • Migräne 
  • Schilddrüsenüberfunktion 
  • Herzinsuffizienz

Weitere Ursachen, die ich auch in Betracht ziehen würde

Diese Ursachen sind teilweise medizinisch verursacht und andere wiederum durch häufig vorkommende Umstände oder je nach Sensibilität deines Kindes.

Durch meine eigene Erfahrung und durch die Erfahrung einiger anderer Eltern, habe ich hier noch ein paar weitere Ursachen, die ebenfalls zu Unruhe und zu einem intensivem Schreiverhalten führen können:

  • Blockaden und Verspannungen: ausgelöst ggf. durch den Geburtsverlauf oder durch das viele Schreien, was wiederum den Körper total verspannt.
  • Leistenbruch (Inguinalhernie): vor allem wenn er eingeklemmt ist.
  • Gastrokolischen Reflex (Magen-Dickdarm-Reflex): dieser Reflex wird beim Füttern des Babys ausgelöst und gibt die Information an den Dickdarm, dass er nun entleert werden kann. Sehr sensible Babys empfinden es als schmerzhaft.
  • Stillprobleme: ausgelöst durch zu wenig, zu viel Muttermilch oder verkürztes Lippen- oder Zungenbändchen.
  • Entwicklungssprünge
  • Über- oder Unterstimulation
  • Übermüdung

Mein Schlusswort

Diese Liste soll dich nicht verrückt machen, sondern nur einen Überblick über die verschiedenen Ursachen geben, die zu Unruhe oder untröstlichem Weinen führen können. Sobald dein Baby untröstlich und/oder schrill schreit, solltest du die Ursache kontrollieren lassen. Dabei empfehle ich dir verschiedene Anlaufstellen zu kontaktieren, wie z.B. deine Hebamme, deinen Kinderarzt oder auch einen Osteopathen. Es ist immer gut verschiedene Meinungen einzuholen und dabei auch auf das eigene Bauchgefühl zu hören.

Aus diesem Grund sage ich wieder: Beobachte dein Kind in jeder Situation und  du wirst irgendwann merken, ob deine Sorgen begründet sind! Bis dahin wünsche ich dir ganz viel Geduld, gute Nerven, dass ganze durchzustehen und besonders viel Liebe zu deinem Kind!

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