Unser ältester Sohn hat gerade seine Winterferien gehabt und so sind wir für 10 Tage mit dem Wohnmobil in der schönen Normandie unterwegs gewesen. Der erste Tag verlief gut und dann ging es so langsam wieder mit Geschrei los. Der Kleine kam einfach nicht zur Ruhe, da wir durch einige Schwierigkeiten mit dem Wohnmobil nicht auf seinen Schlafrhythmus geachtet hatten. Wir mussten uns erst mal organisieren und das führte leider dazu, dass er nur ein statt zwei Nickerchen am Tag machen konnte. Außerdem schlief er auch nachts weniger und so hatte er einfach zu wenig Schlaf.
Obwohl er seit ungefähr einem Monat wirklich viel ruhiger geworden ist und viel weniger schreit, hat dieser Schlafmangel auf der Reise leider wieder dazu geführt, dass er wieder extrem viel schrie. Es erinnerte mich wieder an unsere intensive Schreiphase, in der er sich nicht so einfach beruhigen ließ.
Das Gute aber ist, wir wussten, dass es diesmal am Schlafmangel liegt und wir es beeinflussen können. Nachdem wir endlich eine Routine reinbekommen hatten, machten wir alles dafür, dass er auf seine zwei Nickerchen am Tag und nachts auch zu genug Schlaf kam (komme was wolle!). Ab diesem Zeitpunkt wurde es deutlich angenehmer und wir konnten doch noch unseren restlichen Urlaub genießen, der uns trotz alledem sehr gut tat!
Genau aus diesem Grund möchte ich gerne meine Erfahrung weitergeben und welche wichtigen Reise-Tipps ich mit auf den Weg gebe. Was kannst du also tun, um dir das Leben auf Reisen mit deinem temperamentvollen Kind zu erleichtern?
1. Frühzeitig die Reise planen und organisieren
Damit verhinderst oder zumindest verminderst du den Stress, wenn du dir schon vorher Gedanken über die Reise machst. Plane was du alles brauchst, was du vor Ort besorgen kannst und was du dort machen möchtest. Wenn du mit einem Plan losgehst, fühlst du dich besser, als planlos ständig mit irgendetwas konfrontiert zu werden, was dir dann den letzten Nerv raubt.
Erkundige dich dabei auch an deinem Urlaubsort, ob es dort Babyausstattung gibt. Die meisten Hotels und auch manche Ferienwohnungen haben eine gewisse Babyausstattung vor Ort. So bekommst du alles, was du brauchst, ohne dir Gedanken darüber machen zu müssen, wie du das alles mitschleppen sollst. Manchmal ist es jeden Cent wert, die Ausrüstung zu mieten.
Bedenke bei deiner Organisation aber auch, dass immer etwas dazwischenkommen kann. Aber wenn du das meiste schon im Vorfeld organisierst, ist wenigstens schon mal eine gewisse Grundplanung vorhanden. Und das ist auf jeden Fall beruhigender.
2. Einen geeigneten Schlafbereich für dein Kind besorgen
Wenn dein Kind Zuhause sonst immer in seinem eigenen Zimmer schläft, dann versuche ihm auch seinen eigenen Schlafbereich auf der Reise zu geben. Denn was machst du z.B. in einem Hotelzimmer, in dem es keinen extra Raum für dein Kind gibt? Was willst du dann während des Mittagsschlafs und am Abend machen? Dich mit einer Taschenlampe und einem Buch unter eine Decke kuscheln…?
So ging es uns das erste Mal mit unserem ältesten Sohn. Danach haben wir uns geschworen, immer einen Bereich für unseren Sohn zu haben, damit wir uns auch mal frei bewegen können. Das gleiche gilt vor allem aber auch für unseren temperamentvollen Sohn. Wenn bei ihm im Zimmer nicht alles abgedunkelt ist oder man sich nebendran bewegt, dann ist an Schlafen oder überhaupt Einschlafen nicht zu denken.
Was noch wichtig für einen geeigneten Schlafbereich ist: Vergiss ja nicht das gewohnte Kuscheltier, -Decke oder was dein Kind sonst so zum Einschlafen benötigt!
3. An den Schlafrhythmus deines Kindes halten
Das ist mein wichtigster Punkt. Denn das war bei uns der Auslöser, weshalb unser Kleiner am Anfang einfach nicht zu Ruhe kam. Deshalb werden wir in Zukunft seinen Schlafrhythmus, wie einen feuerspeienden Drachen schützen!
Ich weiß, das wird trotzdem nicht immer möglich sein, aber wenn du es einhalten kannst, wirst du eine entspanntere Zeit haben. Eine Änderung des Schlafrhythmus kann temperamentvolle Kinder wirklich aus der Bahn werfen. Natürlich kannst du auch mal dein Kind spät ins Bett bringen, wenn du etwas Besonderes vorhast. Denk aber daran, dass du vielleicht mitten in der Nacht oder am nächsten Morgen dafür bezahlen musst.
Überlege dir immer gut, was du unternehmen willst und wie du rechtzeitig zum Nickerchen zurück bist. Wenn du eine längere Fahrt vor dir hast, solltest du versuchen, ein Nickerchen im Auto zu machen. Wenn es dein Baby im Tragetuch/Babytrage oder auch im Wanderrucksack liebt und dort schlafen kann, dann brauchst du dir für unterwegs ja keine Sorgen machen ;-).
Übrigens hast du auch schon von Eltern gehört, die ihre Kleinen überall hin mitnehmen können, sogar zu einem Abendessen um 21:00 Uhr, ohne Probleme? Wir haben diese Kinder nicht und es ist einfacher, es zuzugeben. Selbst wenn wir unseren Kleinen jetzt zu einem späten Abendessen mitnehmen würden, würde er um 19:30 Uhr zusammenbrechen und einfach nur noch schreien.
4. An einem (Schlaf)Ort bleiben
Alle Kinder (und auch Erwachsene) brauchen Beständigkeit und Regelmäßigkeit. Aber temperamentvolle Kinder sind davon begeistert. Denk daran, dass diese Kinder leicht überfordert sind. Manche temperamentvollen Kinder mögen es überhaupt nicht, wenn sich ständig etwas ändert. Um zurecht zu kommen und sich sicher zu fühlen, brauchen sie ein gewisses Maß an Vorhersehbarkeit. Ein fester Wohnsitz für die Dauer der Reise hilft, diese Sicherheit zu vermitteln.
Möglich ist es aber auch, dass dein Kind einfach nur immer den gleichen Schlafbereich haben muss und es fühlt sich damit auch sicher und wohl.
Bei meinem Sohn ist mir aufgefallen, dass er sich sehr gut auf neue Orte einstellen kann, solange sein Schlafbereich und die Routine gleichbleiben. In unserem Fall ist es sogar so, dass wir auch schon mit dem Dachzelt und eben vor kurzem mit dem Wohnmobil unterwegs sein konnten, ohne dass er damit Schwierigkeiten hatte immer woanders zu sein. Das wichtige aber dabei war seinen Schlafbereich, die Schlafenszeit und die Schlafroutine immer gleich beizubehalten.
5. Setze realistische Erwartungen
Das sind nicht deine Flitterwochen ;-). Plane nicht die besten Museen in Paris zu besuchen oder eine Reise in ein Wellnesshotel zu machen (es sei denn, dort gibt es Kinderbetreuung J).
Lerne stattdessen auch ein paar Spielplätze kennen (Google macht’s möglich!).
Als wir unterwegs waren, haben wir nicht alles gesehen, was wir sonst ansehen würden. Aber wir sind sicher, dass wir die Spielplätze der Gegend (und Skateparks für den Großen), besser kennen als jeder andere Tourist!
6. Lass dich überraschen
Bis mein Kleiner 10 Monate alt war, traute ich mich kaum mit ihm in die Öffentlichkeit. Der Druck der auf mir lastete, ihn in einer Schreisituation nicht beruhigen zu können, war einfach zu groß. Irgendwann wagten wir aber doch eine kleine Reise ans Meer.
Eine der interessantesten Überraschungen dort, war die Feststellung, dass sich der Kleine für so viele Dinge faszinierte und dabei nicht wie erwartet überreizt von den vielen Dingen war. Er konnte sich lange mit etwas beschäftigen. Ob es am Strand oder auf dem Spielplatz war. Sogar lange Spaziergänge im Kinderwagen waren dort möglich, da er so viele neue Sachen sah, die ihn begeisterten.
Es war eine unerwartete Freude, von der wir nichts gewusst hätten, wenn wir nicht weggefahren wären.
Deshalb lass dich nicht vor einer Reise entmutigen. Sei vorbereitet und überlege dir, was du von deinem Kind erwarten kannst, bevor ihr losfahrt. Du wirst vielleicht überrascht sein, wie gut alles läuft.
Mein Schlusswort
Jetzt fragst du dich vielleicht: „Warum sollte ich mich überhaupt in ein Auto, Zug oder ein Flugzeug setzen, um an einen anderen Ort zu reisen? Ich schaffe es ja kaum, mich zu Hause zurechtzufinden, wo alles vertraut ist und ich die ganze Ausrüstung habe?“
Ich weiß, so ging es mir auch eine ganze Weile, bis ich es dann doch das erste Mal gewagt hatte. Damals lief es überraschender Weise sehr gut. Alle waren einfach nur entspannt, gut drauf und es gab kaum Geschrei. Für unsere Ohren und unser Seelenheil war das die beste Medizin!
Deshalb bin ich mir sicher, dass jeder von uns mal eine Abwechslung nötig hat, um Energiereserven aufzutanken. Klar wenn du sowieso nicht gerne verreist, dann wird es vermutlich auch nicht schön, aber wenn du ein Mensch bist, der gerne etwas Anderes sieht oder einfach mal wieder eine Abwechslung braucht, dann trau dich!
Manchmal ist eine Abwechslung genauso gut wie eine Pause! Das gilt ganz besonders, wenn du ein temperamentvolles Kind hast. Eine Reise kann genau das sein, was du brauchst, um aus dem herausfordernden Alltag herauszukommen und zu sehen, dass sich die Welt immer noch dreht und dass es Licht am Ende des Tunnels gibt.
Was meinst du dazu? Bist du vielleicht gerade in der Situation, wo du dich nicht auf eine Reise traust, weil du nicht weißt, wie du mit den intensiven Emotionen deines Kindes umgehen sollst? Oder hast du es doch schon gewagt und hast vielleicht auch ein paar besondere Reise-Tipps, die du anderen Eltern mit auf den Weg geben möchtest?
Ich freue mich auf jeden Fall auf deinen Kommentar.
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