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Ein High Need Baby oder ein temperamentvolles Kleinkind zu haben, ist ganz klar eine große Herausforderung und erschöpfende Zeit für uns Eltern. Das ständige Schreien in Kombination mit extremen Schlafmangel, rund um die Uhr tragen und Stillen/Füttern, ständige Unzufriedenheit und Unvorhersehbarkeit des Kindes, macht unseren Familienalltag zu einem nicht enden wollenden Alptraum. Das bleibt zwar nicht für immer so, aber dennoch kann diese herausfordernde Zeit bis ins Kleinkindalter gehen.

Was aber dabei noch viel Schlimmer ist, dass man als betroffene Eltern nicht nur mit seinem Alltag zu kämpfen hat, sondern auch meist mit den Sprüchen aus dem Umfeld.

Immer wieder werden einem Sprüche oder Ratschläge an den Kopf geworfen wie z.B.:

  • „Früher gab es das nicht. Kinder waren immer brav und gehorchten“
  • „Dann solltest du mal was an deiner Erziehung ändern“
  • „Der schläft nur nicht durch, weil du ihn immer stillst, wenn er wach wird. Der hat sich schon daran gewöhnt“
  • „Kein Wunder, wenn du immer gleich zu ihm rennst, sobald er schreit“
  • „Lass ihn doch mal schreien, sonst verwöhnst du ihn nur“
  • „Trag ihn nicht die ganze Zeit, sonst wird er nie selbstständig“
  • „Na der Kleine hat euch ganz schön an der Hand, was? Der weiß, wie er seine Eltern steuern muss“
  • Und und und…

Die Sprüche kann ich auf mehrere Seiten fortführen, so viele sind es!!!

Aber wahrscheinlich kennst du diese Sprüche genauso gut wie ich und weißt selbst welche Sprüche noch so auf dem Markt herumkursieren ;-).

Es ist wirklich traurig, dass sich in der Hinsicht, noch so viele Leute an solchen Sprüchen festhängen und das auch noch mit voller Überzeugung weitergeben. Und wehe, wenn man anderer Meinung ist, dann hat man einfach keine Ahnung oder keine Erfahrung…

Das Problem aber an diesen Glaubenssätzen ist, dass diese Leute dabei alle Kinder in einen Sack werfen. Sie seien alle gleich und müssen nach einem bestimmten Erziehungsstil erzogen werden, damit sie einem nicht auf der Nase rumtanzen.

Und da ist schon der große Fehler!

Wir sind alles unterschiedliche Menschen. Das bedeutet auch unsere Babys und Kinder sind unterschiedlich. Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse und jeder empfindet auch anders!

Da sich das nicht erst in den letzten Jahren so entwickelt hat, möchte ich gerne auf eine Studie aufmerksam machen, die in den 1950er Jahren gestartet ist und in den 1970er geendet hatte. Es geht um die Langzeitstudie „The Origin of Personality“ (Ursrpung der Persönlichkeit). In dieser Studie kamen die drei Forscher (Stella Chess, Alexander Thomas und Herbert G. Birch) auf interessante Ergebnisse. Sie untersuchten 141 Babys auf ihre Persönlichkeit und wie sie sich bis ins frühe Erwachsenenalter entwickelten.

Es war bedeutsam, da es aufzeigte, dass nicht die Natur (die angeborene Persönlichkeit) oder die Erziehung (Erziehungsstil und der Einfluss der Eltern) über das Glück und den Erfolg eines Kindes entscheiden. Es kam auf die Art und Weise, wie diese beiden Faktoren zusammenpassten.

Sie kamen zu dem Schluss, dass Kinder, deren Umgebung und Einflüsse gut zu ihrer Persönlichkeit passten, besser abschnitten als die Kinder, deren Umgebung und Persönlichkeit weniger gut zusammenpasste.

Sie bewerteten jedes Kind nach 9 Temperaments-Merkmalen:

  • Aktivität: Das Niveau das Ausmaß der motorischen Aktivität
  • Rhythmik/Regelmäßigkeit: Die Rhythmik bzw. das Maß an Regelmäßigkeit von Funktionen wie Essen, Ausscheidung und dem Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Reaktion: Die Reaktion auf ein neues Objekt oder eine neue Person, d. h. ob das Kind die neue Erfahrung annimmt oder sich von ihr zurückzieht
  • Anpassungsfähigkeit: Die Anpassungsfähigkeit an Veränderungen in der Umgebung
  • Empfindlichkeit: Die Reizschwelle bzw. die Empfindlichkeit gegenüber Reizen
  • Reaktion: Die Intensität oder das Energieniveau der Reaktionen
  • Stimmung: Die allgemeine Stimmung oder „Veranlagung“ des Kindes, ob es fröhlich oder weinerlich, angenehm oder launisch, freundlich oder unfreundlich ist
  • Ablenkbarkeit: Wie ablenkbar das Kind von dem ist, was es gerade tut
  • Aufmerksamkeitsspanne: Die Aufmerksamkeitsspanne und das Ausmaß der Ausdauer, die es bei einer Aktivität zeigt

Anhand dieser neun Merkmale konnten die Forscher 3 verschiedene Temperamente bestimmen, in die 65% der Kinder passten. Die restlichen 35% wurden als eine Mischung aus den drei Typen angesehen.

Die Forscher waren auch der Meinung, dass es mehr als alles andere wichtig ist, dass die Art und Weise, wie das Baby erzogen wird, zu seiner Persönlichkeit passt, was auch immer diese Persönlichkeit sein mag. Das Wichtigste ist, auf ihre Signale zu achten, damit die Erziehung bestmöglich mit ihrer Natur zusammenarbeiten kann.

Die 3 Temperamentstypen

Anhand der drei folgenden Temperamente, kann man deutlich die Unterschiede sehen:

  • „Einfaches“ Temperament: Kinder, die als „einfach“ kategorisiert wurden, hatten im Allgemeinen eine positive Einstellung, fielen schnell in Routinen und passten sich schnell an neue Situationen an. Sie akzeptierten auch frustrierende Erfahrungen mehr als Kinder mit anderen Temperamenten. Dieses Temperament war bei 40% der erforschten Babys zu sehen und ist somit, das am häufigsten vorkam.
  • „Langsam aufwärmendes“ Temperament: Kinder, die „langsam aufwärmend“ waren, passten sich langsam an und konnten negativ reagieren. Zeigten aber auch eine geringe Intensität in ihren emotionalen Reaktionen. Sie zeigten aber viele Eigenschaften des „einfachen“ Temperaments. Dieses Temperament war bei 15% der erforschten Babys zu sehen.
  • „Schwieriges“ Temperament: Kinder der Kategorie „schwierig“ weinten häufiger, hatten es schwerer mit Schlaf- und Fütterungsplänen und sich auf neue Situationen einzustellen. Außerdem waren ihre emotionalen Reaktionen von hoher Intensität und Tendenz, negative aber auch positive Emotionen stärker zu fühlen und zu zeigen. Dieses Temperament war bei 10% der erforschten Babys zu sehen und ist somit, das am seltensten vorkam.

Anmerkungen der Forscher zu dieser Studie

„Im Allgemeinen reagieren „einfache“ Kinder positiv auf verschiedene Erziehungsstile.

Für Kinder in der Kategorie „Langsam zum Aufwärmen“ liegt der Schlüssel zu einer erfolgreichen Entwicklung darin, dass sich das Kind in seinem eigenen Tempo an die Umgebung anpassen kann.

Bei „schwierigen“ Kindern ist das Umgangsproblem von Anfang an vorhanden. Die Eltern müssen mit der Unregelmäßigkeit des Kindes und der Langsamkeit, mit der es sich anpasst, zurechtkommen, um eine Anpassung an die Lebensregeln der Familie herzustellen. Sind die Eltern inkonsequent, ungeduldig oder strafend im Umgang mit dem Kind, wird es viel eher negativ reagieren als andere Kinder. Nur durch eine außergewöhnlich objektive, konsequente Behandlung, die das Temperament des Kindes voll berücksichtigt, kann es dazu gebracht werden, mit anderen gut auszukommen und angemessenes Verhalten zu lernen. Das kann lange dauern, aber bei geschicktem Umgang lernen solche Kinder die Regeln und kommen gut zurecht. Die wesentliche Voraussetzung ist, dass die Eltern die Notwendigkeit eines ungewöhnlich sorgfältigen Umgangs erkennen; Taktiken, die bei anderen Kindern gut funktionieren, können bei dem schwierigen Kind versagen.

„Natürlich ist das Temperament eines Kindes nicht unveränderlich. Im Laufe seiner Entwicklung können die Umweltbedingungen seine Reaktionen und sein Verhalten verstärken, vermindern oder anderweitig verändern. Zum Beispiel kann das Verhalten in verschiedenen Bereichen routiniert werden, so dass die grundlegenden Temperamentsmerkmale in diesen Situationen nicht mehr sichtbar sind.“

„Nicht alle Kinder in unserer Studie haben eine grundsätzliche Temperamentkonstanz gezeigt. Bei einigen haben sich im Laufe der Zeit offenbar einige Merkmale verändert.“

Mein Schlusswort

Wie man sieht, hat man schon früher, deutliche Unterschiede in den Verhaltensweisen der Babys erkennen können. Es ist somit nichts Neues und liegt auch nicht an der heutigen Erziehung oder daran, ob man sein Kind verwöhnt, an etwas gewöhnt oder verzogen hat.

Das entscheidende aber an der ganzen Erziehung oder besser gesagt, an der Beziehung, kannst nur du am besten wissen, was dein Kind und du benötigst.

Die Beziehung zu deinem Kind, sollte EURE Beziehung bleiben und nicht die der Anderen werden!

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