Meinen ersten Sohn habe ich nach anfänglichen Still-Schwierigkeiten sehr gerne gestillt. Diese Momente waren sehr beruhigend und entspannend, für beide Seiten.
Obwohl wir eine schöne Still-Beziehung hatten, könnte man denken, dass das Abstillen Schwierigkeiten gegeben hätte. Aber dem war überhaupt nicht so. Ich beschloss Abzustillen und ein oder zwei Tage später, war die Sache geritzt. Ohne Geschrei und ohne eine andere Beruhigungstaktik benutzen zu müssen.
Als mein zweiter Sohn auf die Welt kam, freute ich mich sehr auf das Stillen, denn ich erinnerte mich an die schönen Still-Momente.
Nun ja, wenn du meinen Artikel über das Merkmal „Hyperaktiv“ gelesen hast, dann werden dir vermutlich die „Vorbereitung auf die Olympiade“ meines temperamentvollen Babys im Gedächtnis geblieben sein. Dass man das nicht gerade als beruhigende oder entspannende Momente sehen kann, ist verständlich oder?
Und dazu noch häufig. Nicht nur um seinen Hunger zu stillen, sondern meistens, um ihn zu beruhigen (den Schnuller lehnte er vehement ab). Also ständig…
Nicht das mir das häufige Stillen an sich gestört hätte, aber an immer rumzerrenden Brustwarzen, verknüpft mit Turnübungen… Aua, das tut weh und kann man sich auch nicht schönreden. Egal wie man es versucht!
Aber ich will dich jetzt nicht erschrecken. Nicht jedes High Need Baby verhält sich so beim Stillen oder Füttern.
Damit du ein besseres Verständnis von einem häufig zu fütterndes High Need Baby hast (und nicht nur meine eigene Erfahrung mit einfließt), beschreibe ich dir dieses Merkmal mit der langjährigen Erfahrung von Dr. Sears (dem Namens-Gründer von High Need Baby).
Zur Info: Martha ist die Frau und Hayden ist das High Need Baby von Dr. Sears.
Das vierte Merkmal – Häufiges Füttern
Wenn Sie sich auf Ihre Halbzeitprüfung in Sachen Babytrösten zubewegen, werden Sie bald lernen, dass Füttern nicht nur eine Quelle der Ernährung ist, sondern auch ein einfaches Mittel zum Trösten. Studien zeigen, dass Babys, die häufig und nach Bedarf gefüttert werden, weniger weinen als Säuglinge, die nach einem eher starren, von den Eltern kontrollierten Zeitplan gefüttert werden. In Kulturen, in denen Babys selten schreien (es gibt solche Orte), werden Säuglinge etwa zwanzig Mal am Tag gestillt. Forscher haben die Sanftheit der Babys in diesen Kulturen auf den Effekt des häufigen Fütterns auf die Gesamtorganisation der biologischen Systeme des Babys zurückgeführt.
Diese Anzahl von Fütterungen klingt für uns in der westlichen Kultur unglaublich. Es ist aber gar nicht so seltsam, wenn man bedenkt, dass in diesen Kulturen das Baby so am Körper der Mutter getragen wird, dass es leichten Zugang zur Brust hat. Eine Fütterung kann in diesem Fall nur fünf Minuten dauern, im Gegensatz zu den 30 bis 45 Minuten, die ein Baby braucht, um seinen Bauch zu füllen, wenn es nur sechs oder acht Mal am Tag in einer offizielleren Fütterungsanordnung gefüttert wird. Das Stillen ist für ein Baby besonders beruhigend, nicht nur, weil der Haut-zu-Haut-Kontakt einen angenehmen Ort zum Kuscheln darstellt, sondern auch, weil das Baby den Milchfluss leicht regulieren kann.
Balance bei der Fütterung finden
Wir leben in einer westlichen Kultur, die mit diesem „ursprünglichen“ Stil des Bemutterns definitiv nicht übereinstimmt. Und unsere Babys schreien sehr viel! Es ist eine Herausforderung für eine westliche Mutter eines High Need Babys, einen Lebensstil zu finden, mit dem sowohl Sie als auch Ihr Baby leben können. Und es muss eine Balance in der Fütterung geben. Überfütterte Flaschenkinder können dick werden, und eine mit Milchnahrung gefüllte Flasche als ständigen Schnuller zu benutzen, ist sicherlich nicht gesund oder angemessen.
Die gute Nachricht ist, dass Sie sich keine Sorgen wegen Überstillens machen müssen. Der Kaloriengehalt der Muttermilch stellt sich bei häufigem Stillen von selbst ein. Wenn das Baby nur kurz „gestillt“ wird, bekommt es nur die kalorienärmere Vormilch. Häufig-gestillte bleiben selten übergewichtig, auch wenn sie eine Zeit lang wie Miniatur-Sumo-Ringer aussehen. Studien zeigen, dass die Fettzellen, die von gestillten Babys angelegt werden, ganz anders sind als die von Babys, die mit künstlicher Säuglingsmilch gefüttert werden. Das Fett schmilzt weg, sobald das Baby mobil wird. Wie oft sollten Sie also Ihr High Need Baby stillen? So oft, wie das Baby es braucht, aber nicht so oft, dass es sich überanstrengt. Es gibt andere Möglichkeiten, High Need Babys zu trösten, und es ist wichtig, einige dieser Alternativen zu kennen.
„Zeitplan“ ist nicht im Wortschatz des High Need Babys. Schon früh lernen diese intelligenten Säuglinge, dass die Brust oder die Flasche nicht nur eine Quelle der Ernährung, sondern auch eine Quelle des Trostes ist. Tatsächlich hat die Forschung gezeigt, dass nahrungsloses Saugen (Saugen für Trost mehr als für Nahrung) eine der frühesten Arten ist, wie Babys lernen, sich zu beruhigen. (Natürlich kann ein Baby das nahrungslose Saugen nicht an einer Flasche anwenden), so dass Schnuller in das Angebot für Flaschenkinder aufgenommen werden.
Mit dem Fluss schwimmen
Ein immer wiederkehrendes Thema, das wir in Gesprächen mit den Eltern von High Need Babys hören, ist: „Sie will die ganze Zeit gestillt werden“. Marthas Erfahrung mit Hayden ist ein perfektes Beispiel dafür. Da unsere ersten drei Babys im Durchschnitt drei Stunden zwischen den Mahlzeiten lagen, oder sogar vier Stunden, nachdem wir in den ersten Monaten feste Nahrung zu ihrer Ernährung hinzugefügt hatten, erwartete sie das Gleiche von Hayden.
Marthas Ansatz bei den ersten drei war, sie zu füttern, wenn sie weinten. Aber als Hayden eine Stunde nach dem Füttern weinte, fragte sie sich, was sie tun sollte. Natürlich ist Füttern das, was Hayden braucht, stellte Martha fest. Doch wie konnte das sein? Zwei Wochen lang zeichnete sie Haydens Fütterungsgewohnheiten auf, um herauszufinden, was für einen Zeitplan sie hatte. Am Ende der zwei Wochen sah sie sich die Tabelle an und stellte fest, dass dieses Baby einfach keinen Zeitplan hatte. Das war der Zeitpunkt, an dem Martha den Slogan „mit dem Fluss schwimmen“ übernahm.
Stellen Sie sich darauf ein, dass das Bedürfnis des Babys, gestillt zu werden, an den Tagen, an denen es viel zu tun hat, zunehmen wird, da es sich dann auf natürliche Weise zu seinem Lieblingsschnuller und seiner Lieblingsperson hingezogen fühlt, was für ein gestilltes Baby ein und dasselbe ist. Ja, Sie werden sich wie ein menschlicher Schnuller fühlen, weil Sie es sind. Bedenken Sie jedoch, dass „Schnuller“ „Friedensstifter“ bedeutet. Sicherlich ist dies das ultimative Ziel der Erziehung eines High Need Babys: diesem heranwachsenden Säugling während der turbulenten Monate nach der Geburt, in denen das Baby lernt, sich im Leben zurechtzufinden, einen inneren Frieden zu geben. Dies wird ihm helfen, irgendwann zu lernen, selbst inneren Frieden zu schaffen.
Geschichten von Müttern
Wir sind in Harmonie miteinander. Ich stille im Durchschnitt etwa 18 Mal am Tag. Ich weiß, das hört sich nach viel Stillen an, aber es gibt nie einen Zeitplan dafür. Entweder sagt sie mir Bescheid oder ich fange einfach an. Es klappt immer. Das Stillen ist nie lästig oder anstrengend. Es ist für mich einfach eine Selbstverständlichkeit. Ich denke nicht einmal darüber nach und mache mir keine Gedanken darüber. Es scheint, als wären wir immer in Harmonie. Wir stillen einfach, wann und wo immer Lindsey oder ich damit anfangen.
***
Stillen ist eine wunderbare Auszeit, wenn wir beide erschöpft sind. Es entschärft den angespannten Konflikt zwischen uns und bietet eine ruhige und liebevolle Oase, in der wir uns beide erholen können. Ich bin immer dankbar für Prolaktin.
***
Viele Leute können nicht glauben, dass ich sie immer noch stille. Ohne langes Stillen wäre es viel schwieriger, mit diesem Kind umzugehen.
Mein Schlusswort
Wie du lesen konntest, gibt es tatsächlich schöne Stillphasen mit High Need Babys, die viele Mütter genießen können. Und wenn man sich darauf einlässt, können auch selbst gestresste Mütter, in diesen Momenten, zur Ruhe kommen.
Wenn du das Stillen für beruhigend empfindest, dann genieße es mit deinem Baby und lass dir nicht von anderen reinreden. Auch nicht, wenn es darum geht, dass dein Baby eigentlich schon normal essen kann und nicht mehr gestillt werden müsste. Da das häufige Stillen von High Need Babys damit zusammenhängt, dass sie nicht nur ihren Hunger stillen, sondern auch getröstet werden wollen.
Wenn dir da mal die Frage aufkommt, wann du abstillen kannst? Dann wird dir sicherlich bewusst, dass das keine so einfache Aufgabe sein wird. So leicht lassen diese kleinen, starken Persönlichkeiten nicht einfach davon ab. Bei diesen Babys benötigt es wahnsinnig viel Fingerspitzengefühl und eine passendere Zeit. Aber den richtigen Moment oder die perfekte Zeit, gibt es nicht, aber etwas weniger herausfordernde Phasen. Damit meine ich: außerhalb des Zahnens, außerhalb eines Entwicklungssprungs, außerhalb einer Krankheit und am besten auch außerhalb einer unruhigen Phase, die Mamas manchmal durchmachen. Wenn man dies beachtet, dann könnte das Thema Abstillen, mit etwas weniger intensivem Geschrei vonstattengehen. Aber ich will hier nicht zu viel versprechen!
Klingt als ob man jahrelang nicht Abstillen kann, oder? Keine Angst, du und dein Baby werdet schon den für euch richtigen Zeitpunkt finden. Vielleicht hast du aber auch das Gefühl, dass dein Baby niemals dafür bereit sein wird, aber du bist es schon längst? Dann ist es wichtig, dass du die Entscheidung für euch triffst und auch hier, dir von niemandem reinreden lässt!
Für den besseren Überblick
Hier sind alle 12 Merkmale eines High Need Babys aufgeführt:
- Intensiv
- Hyperaktiv
- Entleerend / Auslaugend
- Häufiges Füttern
- Fordernd
- Häufiges Erwachen
- Unzufrieden
- Unberechenbar
- Hochsensibel
- Kann Baby nicht ablegen
- Kein Selbstberuhiger
- Trennungsempfindlich
*Bitte bedenke, dass nicht jedes High Need Baby / temperamentvolles Baby alle zwölf Merkmale haben muss, um als solches zu gelten. Aber dennoch die meisten davon.
Hast du auch ein häufig zu fütterndes High Need Baby / temperamentvolles Baby? Kommt dir dabei der Wunsch, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen? Dann komm doch in meine private Facebook-Unterstützungsgruppe.
Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob du ein High Need Baby / temperamentvolles Baby hast, dann mach doch bei meinem Quiz mit. Dort erfährst du einiges über die verschiedenen Baby-Temperamente. Klicke dafür auf diesen Link.
Benötigst du sofortige Antworten und Strategien für dein herausforderndes Baby? Dann könnte dich mein E-Book "Der Überlebens-Ratgeber für temperamentvolle Babys" interessieren. Es ist vollgepackt mit praktischen Lösungen, Ursachenfindung und Temperamentsforschung. Auch geeignet für Eltern von Schreibabys, Kolik-Babys und Babys mit Regulationsstörungen.
Für mehr Informationen, klicke jetzt auf das Buch!

0 Kommentare