Als ich schwanger mit meinem erster Sohn war, las ich in dieser Zeit häufig, ob es überhaupt gut sei, einem Baby einen Schnuller anzugewöhnen. Es gäbe sonst Probleme mit einer Saugverwirrung, mit den Zähnen und mit der Abgewöhnung. Man solle am besten ohne Schnuller auskommen. Das bringt so manche Eltern ins Grübeln und manche Eltern ziehen das Thema „Schnuller“ gar nicht erst in Erwägung.
Das Ganze verunsicherte auch mich, bis zu dem Tag, als mein Sohn den Schnuller mit ca. 14 Monaten abgewöhnte. Ich hatte bei ihm nie eine Saugverwirrung, nie Probleme mit den Zähnen und auch keine Probleme mit der Abgewöhnung.
Als mein zweiter Sohn mit ca. 1.5 Wochen anfing rund um die Uhr zu schreien, versuchte ich mit allen möglichen Beruhigungstechniken zu beruhigen. Ich war zutiefst traurig darüber, dass er sich nicht einmal mit einem Schnuller beruhigen ließ. Zu der Zeit, hatte ich keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, ob ein Schnuller nun gut sei oder nicht. Ich versuchte verschiedene Größen, Formen und Materialen aus, aber nichts war zu machen.
Das einzige was ihn einigermaßen beruhigte und damit entspannte, war der Finger oder die Brust. Also hatte ich rund um die Uhr entweder meinen Finger oder meine Brust in seinem Mund.
Zu der Zeit machte mich aber immer wieder die Kinderärztin verrückt, in dem sie mir sagte, ich solle ihn nicht so oft stillen, davon habe er Koliken. Außerdem solle er nicht so kurz an einer Brust gestillt werden, sondern mindestens 10-15 Minuten. Am besten solle ich einen Schnuller zum Beruhigen nehmen.
Hahaha wie witzig…! Mir war klar, dass er einfach keinen Schnuller akzeptieren würde und dass ich ihn auch nicht von der Brust fernhalte könne, ohne Geschrei und ohne seine Bedürfnisse zu ignorieren. Das war nun mal seine einzige Weise sich zu trösten, damit er überhaupt entspannen konnte.
Aber nicht nur die Kinderärztin machte mich verrückt, sondern auch in meinem Umfeld kamen immer wieder Äußerungen und Ratschläge wie:
- „Wenn du ihn immer zum Beruhigen stillst, dann gewöhnt er sich daran“
- „Mach das Einschlafstillen ja nicht zur Gewohnheit, sonst kann er nur noch so einschlafen“
Dazu frag ich mal an der Stelle: Wenn eine erwachsene Person getröstet werden möchte und Nähe sucht, sagt man dann zu dieser Person: „Nein, ich möchte dich nicht trösten und auch nicht umarmen, da du dich ansonsten zu sehr daran gewöhnst…?“
Häää… Ich glaube nicht oder? Also warum sollten wir denken, dass wir ein Baby mit Stillen, mit Nähe und Geborgenheit verwöhnen könnten?
Manchmal leben wir wirklich in einer abstrakten Welt!!!
Aber nun gut, damit du noch eine weitere Sichtweise von einem High Need Baby hast, dass sich nicht selbst beruhigen kann, beschreibe ich dir dieses Merkmal direkt aus der langjährigen Erfahrung von Dr. Sears (dem Namens-Gründer von High Need Baby):
Das elfte Merkmal – Kein Selbstberuhiger
Eine weitere unrealistische Erwartung, die neue Eltern oft haben, ist die, dass sich Babys mit Hilfe eines Schnullers, einer Spieluhr oder eines anderen Beruhigungsgeräts selbst in den Schlaf wiegen. High Need Babys sind schlauer als das. Sie wollen mit Menschen interagieren, nicht mit Dingen. Eltern berichten oft: „Er kann sich einfach nicht allein entspannen“. High Need Babys brauchen Hilfe beim Einschlafen. Sie müssen lernen, ihren Eltern zu vertrauen, dass sie ihnen helfen. Auf diese Weise lernen sie, sich selbst zu entspannen – eine Fähigkeit, die ein Leben lang wertvoll ist. Sich in den Schlaf zu weinen ist kein guter Weg, um zu lernen, sich zu entspannen. Ein Baby lernt am besten, sich zu entspannen und einzuschlafen, wenn sein Verhalten durch ein Elternteil gefördert wird. Wenn ein Kind erst einmal gelernt hat, sich selbst zu entspannen, wird es keine Probleme haben, selbst einzuschlafen, wenn es müde ist.
Die Eigenschaft, Menschen statt Dinge als Schnuller zu wollen, ist zwar anfangs anstrengend, wird sich aber schließlich zum Vorteil des Kindes auswirken. Das Kind wird ein besseres Verständnis für zwischenmenschliche Beziehungen haben und sich vor allem mit der Qualität von Vertrautheit wohlfühlen.
Bericht einer Mutter
Wir lernten schon früh, dass Amy ein Menschenfreund war. Sie zog alles Menschliche allem Synthetischen oder Mechanischen vor. Wir probierten eine Vielzahl von Dingen aus, die kleine Säuglinge beruhigen oder unterhalten sollten, aber Amy wollte nichts davon haben. Auf dem Treffen unseres Geburtsvorbereitungskurses schienen alle anderen Babys ruhig und zufrieden, saßen in Kindersitzen oder lagen friedlich auf dem Boden. Amy wollte und musste in unseren Armen liegen. An diesem Tag erhielten wir viele Vorschläge, wie wir ihr helfen könnten. Viele andere Eltern priesen die Vorzüge der mechanischen Schaukel an und erzählten, wie viele Stunden ihr Baby darin verbringen würde. Babys, die noch keine Schaukel ausprobiert hatten, wurden in die Schaukel des Gastgebers gesetzt und schliefen fast immer sofort ein. Wir probierten Amy pflichtbewusst darin aus, und sie weinte sofort.
Im Laufe der folgenden Monate lernten wir, dass sie die Arme der Wiege und die Brust der Flasche vorzog. Wir begannen, diese Tendenz bei ihr zu respektieren. Der Kinderwagen, die Wiege und die Kindersitze wurden weggestellt, bis sie uns signalisierte, dass sie bereit war, sich körperlich mehr von uns zu trennen. Jetzt, mit fast einem Jahr, schläft sie beim Mittagsschlaf friedlich auf einem Futon und liebt Fahrten im Kinderwagen und in der Trage. Die Zeit, in der sie intensiven Körperkontakt brauchte, war recht kurz. Wir sind stolz darauf, dass wir in der Lage waren, so für sie da zu sein, wie sie uns brauchte.
Mein Schlusswort
Seit ich Kinder habe, stelle ich viel mehr Dinge in Frage, als ich es vorher getan habe. Vor allem höre ich viel mehr auf das, was mir mein Bauchgefühl sagt und nicht, was mir andere Leute einreden wollen. Und ich finde, dass muss auch so sein.
Wir sind die Eltern unserer Kinder. Wir wissen am besten, was unsere Kinder brauchen und vor allem, wissen wir am besten, was wir selbst brauchen.
Jeder Mensch ist einzigartig, also ist auch jedes Kind einzigartig. Manche Kinder benötigen eben viel mehr Beruhigung der Eltern, als andere Kinder. Hier geht es nicht darum, etwas anzugewöhnen, was man dann wieder schwer abgewöhnen muss. Sondern es geht darum, etwas zu finden, was das Kind beruhigt und entspannt und das die Art der Beruhigung auch stimmig für die Eltern ist. Warum sollte das also etwas Schlechtes sein? Deshalb sage ich dazu nur:
„Geh den für euch richtigen Weg und lass dich nicht davon beirren“!
Für den besseren Überblick
Hier sind alle 12 Merkmale eines High Need Babys aufgeführt:
- Intensiv
- Hyperaktiv
- Entleerend / Auslaugend
- Häufiges Füttern
- Fordernd
- Häufiges Erwachen
- Unzufrieden
- Unberechenbar
- Hochsensibel
- Kann Baby nicht ablegen
- Kein Selbstberuhiger
- Trennungsempfindlich
*Bitte bedenke, dass nicht jedes High Need Baby / temperamentvolles Baby alle zwölf Merkmale haben muss, um als solches zu gelten. Aber dennoch die meisten davon.
Hast du auch ein High Need Baby / temperamentvolles Baby, dass sich noch nicht selbst beruhigen kann? Kommt dir dabei der Wunsch, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen? Dann komm doch in meine private Facebook-Unterstützungsgruppe.
Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob du ein High Need Baby / temperamentvolles Baby hast, dann mach doch bei meinem Quiz mit. Dort erfährst du einiges über die verschiedenen Baby-Temperamente. Klicke dafür auf diesen Link.
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