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Vor kurzem habe ich folgenden Spruch gelesen:

„Was Mamas eigentlich den ganzen Tag machen? – Schon alleine die Einschlafbegleitung könnte als Teilzeitjob durchgehen.“

Oh ja dieser Spruch ist so wahr. Aber für High Need Babys, die mehrmals in der Nacht aufwachen und tagsüber auch nur sehr wenig schlafen, ist er nicht annähernd so zutreffend.

Bei diesen Babys könnte die Einschlafbegleitung sogar als 24h-Job durchgehen und das nicht nur in der Neugeborenen-Phase, sondern noch weit darüber hinaus! Noch dazu, dauert die Einschlafbegleitung meistens länger als die Schläfchen selbst. Unglaublich ermüdend, aber leider nur für die Eltern…!

Das dieses häufige Erwachen zu einem Schlafmangel der Babys führt und vor allem der Eltern, kann man nicht bestreiten.

Für diese anstrengende Einschlafbegleitung, hatte ich mir ein bekanntes Kinderlied in zwei Versionen zusammengereimt. Vielleicht hilft es auch anderen betroffenen Eltern, diese erschöpfenden Phasen damit besser durchzustehen:

1. Version:

„Schlaf, Kindlein schlaf,

deine Mama braucht mehr Schlaf!

Doch dieses Theater jede Nacht,

das hätt ich nicht von dir gedacht.

Schlaf, Kindlein schlaf.“

2. Version:

„Schlaf, Kindlein, schlaf,

deine Mama braucht mehr Schlaf!

Dein Vater ist schon ganz verrückt,

darum gönne der Mama dieses Glück!

Schlaf, Kindlein, schlaf.“

(Achtung, beide Versionen können Spuren von Humor enthalten)!

Bitte mich nicht missverstehen… Es ist unglaublich anstrengend, herausfordernd und erschöpfend zugleich, den ganzen Tag über, wenig schlafende Babys zu begleiten. Dennoch finde ich es so wichtig, diese schwierigen Zeiten, mit etwas Humor durchzugehen. Mir hat es immer wieder geholfen, dabei nicht völlig durchzudrehen!

Damit du aber auch verstehst, warum eigentlich High Need Babys häufig erwachen, erkläre ich nachfolgend, aus der Sicht und langjährigen Erfahrung von Dr. Sears (dem Namens-Gründer von „High Need Baby“).

Das sechste Merkmal – Häufiges Erwachen

„Warum brauchen High Need Babys von allem mehr, nur nicht vom Schlaf?“, fragte mich einmal eine müde Mutter. Bevor wir ein High Need Baby hatten, hätte ich vermutet, dass diese Babys am Ende des Tages erschöpft sind und mehr Schlaf brauchen; ihre Eltern tun das sicherlich auch. Ein müder Vater sagte mir einmal: „Wenn es um Schlaf geht, bin ich ein High Need Elternteil“.

1. Unterschiedliches Temperament

Das gleiche angespannte Temperament, das tagsüber die Bedürftigkeit verursacht, führt auch zu nächtlicher Unruhe. Diese Babys sind tagsüber und nachts anders veranlagt. Ihr überempfindliches Wesen während des Tages überträgt sich auf ihre Schlafgewohnheiten während des Mittagsschlafs und der Nacht. Ihre scharfe Wahrnehmung und Neugier auf ihre Umgebung überträgt sich auf ihr nächtliches Wachsein und ihre Aufmerksamkeit. Es scheint, als hätten diese Babys ein inneres helles Licht, das den ganzen Tag über leuchtet und sich nachts nicht so leicht abschalten lässt.

2. Unterschiedliche Reizbarriere

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum manche Säuglinge bei Partylärm einschlafen und weiterschlafen können, während andere aufwachen, wenn man leise an ihrem Bett vorbeischleicht? Das liegt daran, dass Babys unterschiedliche Reizbarrieren haben, d. h. die Fähigkeit, störende Sinnesreize auszublenden. Manche Babys haben eine erstaunliche Fähigkeit, eine Reizüberflutung auszublenden. Es ist, als ob sie zu dem Schluss kämen: „Ich kann diese ganze Aufregung nicht ertragen, ich schalte ab“. Sie schlafen dann ein. High Need Babys können sich nicht auf den Schlaf verlassen, um sich von der Reizüberflutung zurückzuziehen. Stattdessen überreagieren sie.

Eine unreife Reizbarriere hält Babys nicht nur vom Einschlafen ab, sondern behindert auch das Durchschlafen. Säuglinge mit einer reiferen Reizbarriere können auch bei geringfügigen Unannehmlichkeiten einschlafen, z. B. wenn es ihnen zu kalt oder zu warm ist, sie etwas Hunger haben oder sogar einsam sind. Diese nächtlichen Unannehmlichkeiten wecken hochsensible Babys auf.

3. Unterschiedliche Übergänge

High Need Babys haben es nicht leicht beim Übergang. Sie schalten nicht bereitwillig um. Der Übergang von den Armen zum Autositz und von den Armen zum Einkaufswagen ist für sie schwierig. Der Übergang vom Wachzustand in den Schlaf ist eine wichtige Verhaltensänderung, die diese Säuglinge nicht ohne viel Hilfe bewältigen können. Während man manche Kinder in ihr Bettchen legen kann und sie dann einschlafen, müssen High Need Babys bereits schlafen, bevor man sie hinlegen kann. Selbst bei älteren High Need Kindern rast der Verstand zur Schlafenszeit (die Zeit, die Sie für sie festlegen) so schnell, dass sie ohne elterliche Hilfe nicht zur Ruhe kommen.

4. Unterschiedliche nächtliche Bedürfnisse

Babys verbringen einen Großteil ihrer Schlafzeit in einem leichten Schlafzustand, dem so genannten REM-Schlaf, aus dem sie leicht geweckt werden können. Während der Nacht wechseln sich bei Säuglingen normalerweise Leichtschlaf- und Tiefschlafphasen ab. Sie wechseln stündlich vom Leichtschlaf in den Tiefschlaf und wieder zurück in den Leichtschlaf. Beim Übergang zwischen Tief- und Leichtschlaf durchlaufen Säuglinge eine empfindliche Phase, in der sie leicht geweckt werden können. Mit zunehmender Reife verlängern sich die Tiefschlafphasen, so dass Säuglinge mit vier bis sechs Monaten über längere Zeiträume hinweg schlafen.

High Need Babys scheinen länger zu brauchen, um ihre Schlafreife zu entwickeln. Sie neigen eher dazu, in den empfindlichen Phasen des Übergangs von einer Schlafphase zur nächsten aufzuwachen. Dennoch scheinen High Need Babys in der Phase des Tiefschlafs oft völlig „weggetreten“ zu sein. Mit der Zeit sind diese High Need Babys in der Lage, mehr Zeit in der Tiefschlafphase zu verbringen, aber sie schlafen nicht so früh durch wie weniger sensible Säuglinge.

5. High Need Babys haben mehr Bedürfnisse zum Schlafen

Das Verlangen nach ständigem Körperkontakt und die Unfähigkeit, sich selbst zu beruhigen, sind Merkmale von High Need Babys während des Tages. Sie sind auch für die Nacht charakteristisch. High Need Babys verlangen nach einem Erziehungsstil, der ihnen Tag und Nacht ein Gefühl des Wohlbefindens vermittelt, und das bedeutet in der Regel, dass sie in körperlichem Kontakt mit einer Person, vorzugsweise der Mutter, schlafen. Sie lassen sich nicht auf ein Arrangement ein, das sie aus den Armen ihrer Mutter reißt, nicht einmal für ein dringend benötigtes Nickerchen. Es scheint, als bräuchten sie nachts ebenso wie tagsüber eine gebärmutterähnliche Umgebung. Aber um nicht inkonsequent zu sein: Wenn High-Need Babys älter werden, kann die nächtliche Nähe selbst sie dazu verleiten, leicht aufzuwachen. High Need Babys haben auch ein hohes Maß an Trennungsangst, was zu Problemen beim Einschlafen beitragen kann.

Um Ihre eigene Müdigkeit zu lindern, denken Sie daran, was wir zuvor über das Leben in der „Mutterzone“ gesagt haben (siehe Merkmal Nr. 3 „Auslaugend“).

Mein Schlusswort

An alle Eltern die ein solches Baby haben,: „Ich fühle so sehr mit euch und wünsche euch für diese erschöpfende Zeit, ganz viel Kraft, Geduld und Unterstützung!“

Da ich selbst diese Extrem-Phasen immer wieder erlebt habe, weiss ich was es bedeutet, bis zu 15mal in der Nacht geweckt zu werden und das über Monate hinweg. Und ja, eigentlich kann man nicht von „geweckt werden“ sprechen, denn in diesen Phasen, ist man eher wie in Trance, in der man solange drinsteckt, bis die Phase endlich vorüber ist. Man funktioniert einfach.

Deshalb ist es sehr wichtig, sich für diese Phasen ganz viel Unterstützung zu holen. Nehmt das bitte nicht auf die leichte Schulter und vor allem, lasst euch nicht von anderen reinreden, dass ihr daran schuld seit, dass euer Baby so häufig aufwacht! Auch nicht wenn gestillt wird!

Stillen führt nicht automatisch zu häufigerem Erwachen! In manchen Fällen, kann es helfen, nicht mehr zu stillen, muss es aber nicht. Häufig müssen Mütter, die nicht mehr in der Nacht stillen, nun auf andere Weise ihr Baby beruhigen und zum Einschlafen begleiten. Das ist nicht unbedingt mit weniger Aufwand verbunden. Aber es kann die Mütter entlasten, wenn nun vielleicht auch die Väter oder andere Bezugspersonen, die Nächte mit übernehmen können.

Deshalb lasst euch eure Entscheidung über die nächtliche Einschlafbegleitung von niemandem reinreden, sondern holt euch Unterstützung für eure getroffene Entscheidung!

Für den besseren Überblick

Hier sind alle 12 Merkmale eines High Need Babys aufgeführt:

  1. Intensiv
  2. Hyperaktiv
  3. Entleerend / Auslaugend
  4. Häufiges Füttern
  5. Fordernd
  6. Häufiges Erwachen
  7. Unzufrieden
  8. Unberechenbar
  9. Hochsensibel
  10. Kann Baby nicht ablegen
  11. Kein Selbstberuhiger
  12. Trennungsempfindlich
*Bitte bedenke, dass nicht jedes High Need Baby / temperamentvolles Baby alle zwölf Merkmale haben muss, um als solches zu gelten. Aber dennoch die meisten davon.

 

Hast du auch ein häufig erwachendes High Need Baby / temperamentvolles Baby? Kommt dir dabei der Wunsch, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen? Dann komm doch in meine private Facebook-Unterstützungsgruppe.

Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob du ein High Need Baby / temperamentvolles Baby hast, dann mach doch bei meinem Quiz mit. Dort erfährst du einiges über die verschiedenen Baby-Temperamente. Klicke dafür auf diesen Link.

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