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Häufig wenn ein Baby bei seiner Bezugsperson bleiben möchte und es auch zeigt, in dem es vielleicht weint, sobald es eine andere Person in die Arme nimmt, dann wird oft von Trennungsangst oder von verwöhnt gesprochen.

Mein erster Sohn wollte phasenweise nur bei mir sein. Er war, wie viele sagen, ein Mama-Kind. Da merkte ich aber schon oft, dass einige Leute sich davon persönlich angegriffen fühlten. Und ich dachte mir immer: „Warum ist das ein Problem, wenn ein Kind, lieber bei seiner Mama sein möchte?“

Da es bei ihm aber nur phasenweise war, war das für die meisten nicht so ein großes „Problem“. Als aber mein zweiter Sohn zur Welt kam und er mit sechs Monaten ganz klar zeigte, dass er nur bei seiner Mama sein will und sonst bei niemand anderen, war das für viele ein Zeichen von verwöhnt oder dass ich zu viel Zeit mit ihm verbringen würde. Das hat mich am Anfang sehr geärgert, denn ich wusste ja, dass mein Kleiner einfach Sehnsucht nach mir hat und nur mit mir sein möchte. Da ist doch nichts Verwerfliches dran!

Natürlich hatte ich mir manchmal gewünscht, dass jemand anderes, außer mir, ihn auch mal tragen könnte. Aber das ging immer nur, wenn ich nicht da war. Und das ist auch heute noch oft der Fall. Wenn ich da bin, dann möchte er einfach nur zu mir, sonst wird er richtig unruhig.

Wenn ich also mal eine Auszeit brauche, muss ich am besten aus seinem Blick verschwinden. Und so haben wir es sogar vor kurzem geschafft, dass er für drei Tage, nur mit seinem Papa war. Das funktionierte sogar erstaunlich gut. Deshalb sage ich immer: „Einfach ausprobieren, dann wird man meistens sogar positiv überrascht!“

Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann, ist, wie man einem Kind übelnehmen oder sogar beleidigt sein kann, dass es lieber bei seiner Bezugsperson sein möchte? Statt das Kind so anzunehmen und sein Bedürfnis zu akzeptieren, wird eher noch die Schuld bei der Mutter gesucht. Dieses Verhalten in der Gesellschaft, empfinde ich als sehr traurig und ärgerlich zugleich!

Aber ja, das ist meine Meinung. Damit du noch eine weitere Sichtweise von einem trennungsempfindlichen High Need Baby hast, beschreibe ich dir dieses Merkmal noch aus der Sicht von Dr. Sears (dem Namens-Gründer von High Need Baby).

Zur Info: Martha ist die Frau und Lauren die Tochter von Dr. Sears.

Das zwölfte Merkmal – Trennungsempfindlich

Das Lied „Only You“ könnte das Thema der meisten High Need Babys sein. Diese Säuglinge akzeptieren nicht ohne Weiteres eine Ersatzbetreuung und sind notorisch langsam, wenn es darum geht, sich mit Fremden anzufreunden. Eine Mutter eines anhänglichen Babys beschrieb es so: „Amanda mochte keine neuen Leute oder neue Orte und schien ständig unter Trennungsangst zu leiden. Babysitter wollten nicht auf sie aufpassen, weil sie den Ruf hatte, zu schreien. Das war hart für mich, denn ich brauchte dringend eine Pause von der Intensität meines Kindes“.

Es ist hilfreich, die Trennung aus der Sicht des Babys zu betrachten. Für die meisten Erwachsenen, vor allem für diejenigen mit der Einstellung „Babys müssen lernen, unabhängig zu sein“, sollten Baby und Mutter getrennte Personen sein, die in der Lage sind, allein zurechtzukommen. Babys sehen das nicht so. Für sie ist die Mutter ein Teil von ihnen selbst, und sie sind ein Teil der Mutter. Mutter und Baby sind eins, ein komplettes Paket. Diese Babys fühlen sich wohl, wenn sie mit der Mutter eins sind; sie fühlen sich ängstlich und verängstigt, wenn sie nicht bei der Mutter sind. Erwachsene bezeichnen dieses völlig normale Verhalten als „Trennungsangst“.

Ignorieren Sie Trennungsetiketten

In Wirklichkeit handelt es sich bei diesen Emotionen um normale Gefühle in einem kleinen Menschen. Das Baby weiß, dass es die Gegenwart seiner Mutter braucht, um zu gedeihen und sich vollständig zu fühlen. Bezeichnungen wie „Fremdenangst“ oder „Trennungsangst“ sind Erwachsenenjargon und spiegeln unsere Erwartungen an das Verhalten von Babys wider, die wir aus Bequemlichkeit haben wollen, und nicht, wie Babys wirklich sind oder was sie wirklich brauchen.

Wir haben beobachtet, dass Mütter, die in den ersten Monaten diesen Stil der bindungsorientierten Erziehung praktizieren (sie tragen ihr Baby viele Stunden am Tag im Tragetuch, stillen es nach Bedarf, nehmen es überall mit hin und schlafen oft mit ihm), selbst Trennungsangst haben, wenn sie nicht bei ihrem Baby sind. Wenn diese „Angst“ bei normalen Müttern auftritt, sollte sie dann nicht auch bei Babys normal sein? Glücklicherweise haben High Need Babys starke Persönlichkeiten, die uns sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

Die Tatsache, dass Ihr Baby sehr wählerisch ist, wenn es darum geht, wer sich um es kümmert, zeigt, dass es über ein großes Unterscheidungsvermögen verfügt. High Need Babys wissen, in welchen Situationen und von welchen Personen sie erwarten können, dass diese ihre Bedürfnisse erfüllen. Sie protestieren, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden.  Lautstarke Trennungsproteste zeigen auch, dass diese Babys in der Lage sind, tiefe Bindungen aufzubauen – wenn sie sich nicht so sehr kümmern würden, würden sie bei einer Trennung nicht so lautstark protestieren. Diese Fähigkeit ist der Vorläufer der Bindung in erwachsenen Beziehungen.

Erleichterung ist im Anmarsch

Mit der Zeit wird der Betreuungskreis des Säuglings auf andere Personen als die Mutter ausgedehnt. Das Konzept der Entwöhnung kann auf mehr Bereiche angewendet werden als nur auf die Entwöhnung von der Brust oder der Flasche. Es bedeutet auch, exklusive Beziehungen loszulassen. Wenn zum Beispiel ein neues Baby kommt, muss das ältere zwangsläufig damit beginnen, von der Mutter zum Vater zu wechseln (wenn es nicht schon damit begonnen hat). Unsere High Need Babys waren im Alter von dreieinhalb Jahren bereit, glücklich bei anderen Menschen zu bleiben, sogar noch früher, wenn es sich bei der Person, die sich um sie kümmerte, um jemanden handelte, zu dem sie bereits eine starke Bindung hatten (Vater, Geschwister, enge Freunde der Mutter, Großeltern).

Unsere jüngste Tochter, Lauren, bekam im Alter von zwei Jahren und neun Monaten eine Videokassette mit dem Lied „Mama Comes Back“ geschenkt. Interessanterweise war das ihre Lieblingsstelle auf dem Video. Sie mochte es, wenn Martha ihr das Lied vor dem Schlafengehen immer wieder vorsang. Es fiel uns immer noch schwer, sie glücklich zurückzulassen, und eines Abends sahen wir uns wieder einer weinenden Lauren gegenüber, die nicht wollte, dass Martha ging. Martha erinnerte sich daran, wie sehr Lauren dieses Lied mochte, und schlug vor, dass sie für sie „Mama Comes Back“ auflegen sollte, weil sie abreisen würde. Ihr Gesicht hellte sich sofort auf, und sie griff die Idee auf und rannte fröhlich zum Video, in der Gewissheit, dass Mama zurückkommen würde.

Mein Schlusswort

Ich bin der Meinung, dass Mütter nicht ihre Kinder dazu erziehen, trennungsempfindlich zu sein, sondern, dass es auf die Persönlichkeit des Kindes ankommt. Jedes Kind geht nun mal anders mit Trennungen um und das sollte auch von jedem respektiert werden und nicht persönlich genommen werden.

Für Bezugspersonen ist es aber auch wichtig, sich mal eine Auszeit zu gönnen, wenn sie eine brauchen. Es bringt nichts, wenn man nur auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht und seine eigenen komplett vernachlässigt. Dafür sollte man sich auch hier wohlwollende Unterstützung holen und keine Kritik.

Wie immer finde ich es wichtig, den Weg zu gehen, der für die eigene Familie, der richtige ist. Und das weiß man selbst am besten!

Für den besseren Überblick

Hier sind alle 12 Merkmale eines High Need Babys aufgeführt:

  1. Intensiv
  2. Hyperaktiv
  3. Entleerend / Auslaugend
  4. Häufiges Füttern
  5. Fordernd
  6. Häufiges Erwachen
  7. Unzufrieden
  8. Unberechenbar
  9. Hochsensibel
  10. Kann Baby nicht ablegen
  11. Kein Selbstberuhiger
  12. Trennungsempfindlich
*Bitte bedenke, dass nicht jedes High Need Baby / temperamentvolles Baby alle zwölf Merkmale haben muss, um als solches zu gelten. Aber dennoch die meisten davon.

Hast du auch ein trennungsempfindliches High Need Baby / temperamentvolles Baby? Kommt dir dabei der Wunsch, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen? Dann komm doch in meine private Facebook-Unterstützungsgruppe.

Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob du ein High Need Baby / temperamentvolles Baby hast, dann mach doch bei meinem Quiz mit. Dort erfährst du einiges über die verschiedenen Baby-Temperamente. Klicke dafür auf diesen Link.

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