Zuerst sagte mir die Kinderärztin und einige in meinem Umfeld, mein Sohn habe die berühmtberüchtigten 3-Monats-Koliken. Als dann die drei Monate rum waren, änderte sich aber leider gar nichts am Verhalten meines Sohnes. Es wurde sogar noch schlimmer.
Warum das so war? Ich vermute, dass er mit drei Monaten einfach noch mehr wahrgenommen hat, was ihn viel unruhiger gemacht hat. Er nahm quasi jedes Detail auf, jeden Pieps, jede leichte Berührung, einfach alles.
Er war so empfindlich, dass er sogar Streicheleinheiten als unangenehm empfand. Ich wusste also die meiste Zeit gar nicht, wie ich mit ihm umgehen sollte. Wenn er schrie und ich ihn dann mit streicheln, zureden oder singen beruhigen wollte, machte es ihn sogar unruhiger und er steigerte sich noch mehr hinein. Selbst in der Babytrage wollte er selten sein, es war ihm einfach zu eng und zu nah. Er brauchte von Anfang an immer nur eine gewisse Nähe. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Die Balance zu finden, war gar nicht so einfach.
Wenn er schlief, musste alles und jeder im Haus ruhig sein. Er nahm sogar im Schlaf jedes Detail auf. Sein Kinderbett ist mehr oder weniger Dekoration oder Ablage geworden, da er von Anfang an nicht darin schlafen wollte. Sobald ich ihn reinlegen wollte, wachte er sofort mit einem riesen Schrei auf. Dann ging die ganze Einschlafprozedur wieder von vorne los.
Wenn er zahnte, einen Entwicklungssprung durchmachte oder krank war, dann war bei uns die Hölle los. Selbst wenn er normalen Stuhlgang hatte oder pupsen musste, zeigte er, dass was gerade in seinem Körper los ist, ihm überhaupt nicht passte. Jede kleine Veränderung, machte sich bei ihm extrem bemerkbar. Er fühlte alles so stark, dass er es auch unmissverständlich zeigte.
Er mochte es auch überhaupt nicht bei anderen Leuten zu Besuch zu sein. All das machte ihn wahnsinnig unruhig. Ich stellte mich also auf ein hochsensibles Kind ein. Aber auf einmal gab es mit ca. 9 Monaten einen Wandel und er fing an sich sogar wohl zu fühlen unter vielen Leuten und am besten noch mit Tanz und lauter Musik. Seitdem wird er unruhig, wenn er nur Zuhause ist und keine Action läuft.
Mir wurde also klar, dass er zwar ein sehr sensibles, aber auch ein sehr temperamentvolles Kind ist.
So, damit du noch eine weitere Sichtweise von einem hochsensiblen High Need Baby hast (und nicht nur meine), beschreibe ich dir dieses Merkmal direkt aus der langjährigen Erfahrung von Dr. Sears (dem Namens-Gründer von High Need Baby):
Zur Info: Hayden ist das High Need Baby von Dr. Sears.
Das neunte Merkmal – Hochsensibel
High Need Babys nehmen die Geschehnisse in ihrer Umgebung sehr genau wahr. „Leicht zu stören“, „schnell gereizt“, „wie auf Eierschalen laufen“ – so beschreiben Eltern ihre sensiblen Babys. High Need Babys bevorzugen eine sichere und bekannte Umgebung und protestieren schnell, wenn ihr Gleichgewicht gestört ist. Sie erschrecken tagsüber leicht (wir haben zum Beispiel gelernt, den Mixer nicht einzuschalten, wenn Hayden in der Nähe ist) und kommen nachts nur schwer zur Ruhe. Während man den normalen Familienalltag fortsetzen kann, ohne die meisten schlafenden Säuglinge zu wecken, wachen diese Babys oft schon beim kleinsten Geräusch auf. Es ist unwahrscheinlich, dass hochsensible Säuglinge bereitwillig Ersatzbetreuer akzeptieren.
Diese ausgeprägte Sensibilität für ihre Umgebung kann sich als lohnender Vorteil erweisen, wenn ein hochsensibles Kind heranwächst. Diese Kinder sind auf das, was um sie herum geschieht, „eingestimmt“. Sie sind keine distanzierten Kinder. Ihre scharfe Wahrnehmung regt ihre Neugier an, was wiederum zum Lernen anregt. Sie werden zu Kindern, die sich kümmern, und sie nehmen Anteil an den Verletzungen anderer Kinder. High Need Babys entwickeln Empathie, eine Eigenschaft, die vielen Jugendlichen und Erwachsenen von heute fehlt. Weil diese Kinder so sensibel sind, entwickeln sie ein großes Einfühlungsvermögen und sind in der Lage, die Auswirkungen ihres Verhaltens auf die Gefühle anderer zu berücksichtigen. Sie sind in der Lage, eine der höchsten Qualitäten der Selbstdisziplin zu erreichen: die Fähigkeit, ihr Handeln zu durchdenken.
Hochsensible Babys reagieren in hohem Maße auf körperliche und emotionale Beschwerden. Sie lassen Sie unmissverständlich wissen, dass sie Schmerzen haben und Hilfe brauchen – sofort!
Auch wenn es für Ihre Ohren unangenehm und für Ihr sensibles Herz frustrierend ist, sind hochsensible Babys zumindest leichter zu verstehen. Sie lassen Sie wissen, wenn sie Hilfe brauchen oder wenn etwas in ihrer Umgebung verändert werden sollte. Ihre Signale können nicht unbemerkt bleiben.
Gedanken einer Mutter
Er schreit aus Protest, wenn die kleinste Sache nicht in Ordnung ist mit ihm. Er ist so empfindlich. Immer wenn er erkältet ist, weint und jammert er und muss ständig gehalten werden. Ich erinnere mich, dass unser Kinderarzt bei seiner neunmonatigen Kontrolluntersuchung sagte: „Wow! So viel Wut für so ein kleines Baby“. Ich glaube, er war einfach wütend, weil ihm die Zähne wehtaten.
Mein Schlusswort
Dr. Sears sagt, dass hochsensible Kinder leicht zu verstehen sind, da sie sofort ihr Unbehagen zeigen. Das stimmt zwar, dass man sofort merkt, wenn sich sensible Kinder unwohl fühlen. Jedoch finde ich es bei Babys, die wenige Monate alt sind, schwer rauszufinden, was überhaupt die Ursache für ihr Unwohlsein ist. Das kann alles Mögliche sein.
Da sich mein Sohn den ganzen Tag unwohl gefühlt hat, aus verschiedenen Gründen und dadurch fast nur am Schreien war, empfand ich es immer als eine riesige Tagesaufgabe, herauszufinden was genau die Ursache ist. Ich machte mir ständig Vorwürfe, warum ich nicht weiß und nicht verstehe, was mein Sohn überhaupt braucht. Welche Mutter kennt sein eigenes Kind nicht? Das war nicht richtig, mich damit noch zusätzlich zu belasten, aber ich wusste es nicht besser.
Heute verstehe ich ihn viel besser, aber auch nicht immer. Dennoch weiß ich nun, warum es so war und immer noch so ist. Es ist einfach sein sensibles und temperamentvolles Temperament, in das er erstmal reinwachsen muss. Das bedeutet, dass er zunächst lernen muss, mit seinen starken Gefühlen zurecht zu kommen, die er von Natur aus hat.
Aber Eltern sind ja nicht nur da um ihre Kinder großzuziehen. Sie sind auch da, um ihre Kinder in deren Herausforderungen des Lebens zu begleiten.
An dieser Stelle möchte ich gerne ein schönes Zitat weitergeben, dass ich vor kurzem gelesen habe und meiner Meinung genau zutrifft:
„Es ist eine Frage des Blickwinkels. Wenn ich ein Kind einfach akzeptiere wie es ist, dann möchte ich das Kind nicht verbessern, nicht funktionsfähiger machen, sondern begleiten, unterstützen und dem Kind helfen, seinen Lebensweg zu gehen.“
Für den besseren Überblick
Hier sind alle 12 Merkmale eines High Need Babys aufgeführt:
- Intensiv
- Hyperaktiv
- Entleerend / Auslaugend
- Häufiges Füttern
- Fordernd
- Häufiges Erwachen
- Unzufrieden
- Unberechenbar
- Hochsensibel
- Kann Baby nicht ablegen
- Kein Selbstberuhiger
- Trennungsempfindlich
*Bitte bedenke, dass nicht jedes High Need Baby / temperamentvolles Baby alle zwölf Merkmale haben muss, um als solches zu gelten. Aber dennoch die meisten davon.
Hast du auch ein hochsensibles High Need Baby / temperamentvolles Baby? Kommt dir dabei der Wunsch, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen? Dann komm doch in meine private Facebook-Unterstützungsgruppe.
Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob du ein High Need Baby / temperamentvolles Baby hast, dann mach doch bei meinem Quiz mit. Dort erfährst du einiges über die verschiedenen Baby-Temperamente. Klicke dafür auf diesen Link.
Benötigst du sofortige Antworten und Strategien für dein herausforderndes Baby? Dann könnte dich mein E-Book "Der Überlebens-Ratgeber für temperamentvolle Babys" interessieren. Es ist vollgepackt mit praktischen Lösungen, Ursachenfindung und Temperamentsforschung. Auch geeignet für Eltern von Schreibabys, Kolik-Babys und Babys mit Regulationsstörungen.
Für mehr Informationen, klicke jetzt auf das Buch!

0 Kommentare